Daggett, Barstow – Stay Away From The Interstate

Hinter Newberry Springs unterquert die Route 66 die Interstate und nimmt als National Trail Highway Kurs auf Daggett.

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Daggetts ehemalige Bedeutung hängt mit den vielen Silber – und Boraxminen in dieser Gegend zusammen. Das Städtchen mausert sich zum Zentrum für Minenbedarf und versorgt vor allem die Arbeiter in den nahegelegenen Calico Mountains. Aber auch bis zum Death Valley reichen die Geschäftsbeziehungen von Daggett aus. Das geht bis ins frühe 20. Jahrhundert so. Einige der Gebäude aus jener Zeit säumen heute noch die Straßen u.a. das Stone Hotel. Zu den Gästen des um 1870 erbauten Hotels zählen so unterschiedliche Typen wie John Muir und Wyatt Earp.

Heute ist es ruhig geworden in Daggett. Fahrt in Ruhe durch den Ort und schaut Euch die alten Häuser an. Auffällig sind der Desert Market, das erwähnte Stone Hotel und die Daggett Garage. Dazu verlassen wir die 66 an der Kreuzung mit der Daggett-Yermo Road nach rechts. Es geht über den Bahnübergang und gleich wieder rechts auf die Santa Fe Street, die ein altes Route 66 Alignment ist. Die oben erwähnten Gebäude liegen alle an der Santa Fe. Man fährt dann am besten denselben Weg zurück. An der Kreuzung fällt noch ein etwas merkwürdig aussehendes Haus ins Auge. Ein unten abgerundetes Dach lässt es eher russisch aussehen. Es handelt sich um ein ehemaliges Café aus den 1930er Jahren. Viel mehr ist dazu nicht bekannt. Heute dient es als Wohnhaus. Das große, pfeilförmige Schild am Bahnübergang ist inzwischen so verblasst, dass man nicht mehr lesen kann, auf was es einmal aufmerksam gemacht hat. Es steht aber weiterhin dort und erinnert an die alten, besseren Zeiten.

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Von Daggett aus empfiehlt sich ein kurzer Abstecher zu Peggy Sue‘s 1950s Diner – falls man hungrig ist oder ein paar Souvenirs kaufen möchte. Der Gift Shop ist sehr gut ausgestattet. Noch besser aber ist der Diner selbst. Man kommt sich wirklich um 60 Jahre zurück versetzt vor.

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Elvis und die Blues Brothers stehen als lebensgroße Figuren im Raum, die Kellnerinnen tragen Häubchen und Schürzen. Die Wände voll mit 1950er Memorabilia und – nicht ganz unwichtig bei einem Diner – das Essen ist sehr gut. Die Gerichte auf der Karte haben phantasievolle Namen: Tina Turner Tuna Sandwich, Buddy Holly Bacon Cheeseburger oder Marlon Brandon Mushroom Burger – jede Menge Showgrößen müssen für die Namensgebung herhalten. John Wayne, Gary Cooper, James Dean und – kaum zu glauben – Richard Nixon, dem ein Turkey Sandwich gewidmet ist, sind auch darunter. Auf seine Art war Tricky Dick ja auch eine Showgröße. Übrigens Blues Brother Jake ist an diesem Tag persönlich anwesend, wie man auf dem Foto leicht erkennen kann…

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Am besten man fährt in Dagget nach rechts über den Bahnübergang und dann immer geradeaus auf der Dagget-Yermo Road bis zu einer großen Kreuzung an der I-15 Auffahrt. Dann sieht man‘s schon. Gut gestärkt geht‘s also zurück nach Dagget und von dort weitere 2,5 Meilen auf der 66. Dann erreichen wir links den Abzweig zur Nebo Street. Den nehmen wir und fahren auf die I-40 West. Drei Meilen später verlassen wir sie wieder am Exit 2, biegen links ab auf die East Main, unter der I-40 durch. Weiter bis zur Montara Road, dort nach rechts, wieder unter der I-40 durch und auf die Main Street. Wir sind in Barstow! Und hier müssen wir uns genauer umschauen.

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Barstows Geschichte ist untrennbar mit der Eisenbahn verbunden. Wir schreiben das Jahr 1888 als dort die Santa Fe Railroad ankommt. Das Gebiet um die Calico Mountains ist längst zu einem Zentrum des Silberbergbaus geworden. Die Eisenbahn kommt also gerade recht. So ist es auch kein Wunder, dass der Präsident der Santa Fe Railroad auch zum Namenspatron der Stadt wird. William Barstow Strong hieß der Mann. Im Wettbewerb mit Daggett und Calico kann sich Barstow durchsetzen. Die Stadt wächst und gedeiht. Und sie bekommt natürlich ein Harvey House, das zwischendurch zwar mal abbrennt, aber 1911 wieder in alter Pracht an der Bahnlinie erstrahlt. Die berühmten Harvey Girls servieren den Fahrgästen ausgesucht gute Gourmet Küche, ein Tanzsaal fördert die Unterhaltung und nächtigen kann man im damals verfügbaren Luxus. Mit Ankunft der Route 66 geht‘s mit dem Harvey House allerdings eher bergab. Inzwischen gibt es Speisewagen in den Zügen, kein Grund mehr also Verpflegungspausen einzulegen. Die Route 66 führt mitten durch‘s Zentrum von Barstow, also ein paar Blocks an den Schienen vorbei. Das Harvey House stellt den Betrieb ein, gerade mal ein Ticket Office und eine kleine Cafeteria verbleiben dort. In den späten 1980er Jahren soll es sogar abgerissen werden, aber das verhindern die Einwohner der Stadt. Das Casa del Desierto, wie das Gebäude offiziell heißt, wird zum Museum umgebaut. Sowohl das Western America Railroad Museum als auch das Mother Road Route 66 Museum finden Platz in dem immer noch beeindruckenden Gebäude. Man erreicht Casa del Desierto indem man von der Main Street nach rechts auf die N1st Avenue abbiegt. Über eine alte Eisenbrücke, die eine Unmenge an Schienensträngen überspannt, erreicht man nach einer Rechtskurve den Parkplatz vor den Museen. Hier gibt es auch allerlei historisches Schienenfahrzeug zu bewundern. Für Eisenbahnfans genauso ein MUST SEE, wie für Route 66 Reisende, die im Museum freundlich empfangen werden. Seht euch um dort, es lohnt sich. Die ehrenamtlichen Betreiber des Museums stehen auch gerne für ein paar fotografische Erinnerungen bereit.

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Auch das heutige Bahnhofsgebäude ist einen kurzen Stopp wert. Man findet den ein oder anderen Gift Shop, Starbucks und Fastfoods, darunter einen recht ungewöhnlichen McDonalds, der in drei in rot-gelben Farben gehaltenen Eisenbahnwagen untergebracht ist. Wer also seinen Big Mac in solcher Umgebung verspeisen möchte, sollte mal reinschauen.

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Wer die Barstower Main Street entlang fährt, die ja auch die Route 66 ist, wird so manches Motelschild ausmachen. Es gibt hier einige 66 Motels, die nicht den Ketten angehören, die allerdings auch vollständig vertreten sind. Das Stardust Inn zum Beispiel, oder das Torches. Man kann sich übrigens auch für die US Armed Forces rekrutieren lassen. Es gibt ein großes Büro von Uncle Sam direkt an der Hauptstraße.

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Interessant sind die vielen Murals in der Stadt. Im Jahr 1997 starten die Stadtväter das Main Street Mural Project und seitdem sind eine Menge sehr schöner und sehenswerter Wandmalereien in Barstow entstanden. „We wanted to create a walking gallery of historic murals along Route 66‘s last existing Main Street“. Es gibt sogar vom Desert Discovery Center geführte Touren über die Main Street, um den Besuchern die immerhin 120jährige Geschichte Barstows, die in den Murals behandelt wird, näher zu bringen.

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Wer in Barstow übernachten möchte, sollte ruhig das wohl urigste und natürlich world most famous dieser alten Motels wählen. Schon der Platz vor den Zimmern des Route 66 Motels ist ein Eyecatcher.

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Diverse mehr oder weniger rostige Oldtimer stehen dort vor den Türen bzw. in den Garagen. Die Rezeption ist auch so ein Knaller. In dem winzigen Räumchen drängen sich 66 Memorabilia aller Art. Was man sich nur vorstellen kann. Hinter dem kleinen Tresen sitzt die indische Besitzerin Mridu Shandil und zeigt jedem Gast der interessiert ist, ein schon fast historisches Gästebuch mit alten Fotos und Einträgen der vielen Besucher aus aller Welt, die hier irgendwann einmal genächtigt haben. Das Motel ist nicht wirklich der pure Luxus, man muss da einige Abstriche machen. Und so ganz genau hinsehen sollte man auch nicht. Aber irgendwie hat es Charme. Sehenswert ist das lange Mural an der Mauer, die die Straße vor dem Hotel säumt. Alle acht Route 66 Bundesstaaten sind hier aufgepinselt.

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Kurz vorher auf der linken Seite fällt ein weiterer Motelbau ins Auge – das El Rancho. In seinen frühen Jahren wird das Motel oft von Hollywood Größen wie Marilyn Monroe und Co. frequentiert. Heute ist es eher ein Heim für Drogensüchtige und Prostituierte. Es wird sogar als dangerous place bezeichnet. Ein paar schnelle Fotos müssen also genügen. Wir raten von längerem Aufenthalt auf dem Gelände eher ab.

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Barstow hat also insgesamt mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Und wer noch ein paar Dollars beim Shopping ausgeben möchte, kann das in der Tanger Outlet Mall ein paar Meilen die Straße runter tun. Alle Marken sind vertreten.

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