Newberry Springs – What A Movie Location!

Ab Ludlow eröffnen sich wieder zwei Möglichkeiten der 66 nach Westen zu folgen. Die erste – und empfehlenswertere – führt über die Interstate, der wir bis zum Exit 33 (Hector Road) folgen. Dort bitte rausfahren, die I-40 unterqueren (links) und rechts auf den National Trails Highway, der die Route 66 ist, einbiegen. Die Straße führt vorbei an einigen Überbleibseln auf der linken Seite, ehemalige Mobile Homes, ein alter Camper (Vorher-Nachher Fotos), die eigentlich nur noch aus Schrott bestehen, geradewegs nach Newberry Springs, unserem nächsten Must Stop.

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Vorher passiert man noch ein altes Cafe-Hotel Neon, das verbogen und verrostet aus der Wüste ragt und einen Wohnwagen, der gleich mit harten Bandagen droht.

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Wer seinen Reifen viel zutraut, kann auch anders fahren und die I-40 vermeiden. Der direkte Weg ist allerdings gesperrt, wie auf dem Foto zu erkennen ist. Deshalb in Ludlow die I-40 unterqueren, nach links abbiegen auf die North Frontage Road, die ebenfalls der National Old Trails Highway und die 66 ist, und weiterfahren bis die Hector Road erreicht ist. Die Strecke ist very rough, spitze Steine jede Menge und deshalb nicht wirklich zu empfehlen, auch wenn sie für die echten 66ler trotzdem ein Must Drive ist. Zu sehen gibt‘s allerdings eher nichts, außer Wüste. Und die Lava Felder des Pisgah Crater, einem weiteren Vulkankrater, ähnlich dem in Amboy, nur nicht ganz so markant.

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Newberry Springs zieht sich ziemlich in die Länge. Unser erster Stopp sollten die Reste einer ehemaligen Whiting Brothers Tankstelle sein. Leider ist das Gelände eingezäunt, so dass man am besten auf‘s Autodach klettert – vorher hat man den Wagen geschickt seitlich des Zauns geparkt – um von dort oben Fotos von den rostigen Zapfsäulen zu machen. Manchmal muss man sich halt was einfallen lassen.

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Nur ein paar Meter weiter erwartet uns die Hauptattraktion von Newberry Springs: Das Bagdad Cafe. Und hier werden wir uns jetzt etwas länger aufhalten.

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Platz zum Parken ist mehr als genug auf dem staubigen Areal vor dem Gebäude. Und Zeit für ein Bier haben wir allemal. Auch für zwei. Denn wir brauchen etwas länger, um uns im Café umzuschauen. Die Besitzer sind manchmal etwas mürrisch, manchmal etwas nett. Kommt drauf an. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Diese Location ist einfach ein MUSS. Wo fängt man am besten an? Wir fangen mal mit Marianne an. Marianne? Na ja, gemeint ist Marianne Sägebrecht, von der der deutsche Kinoenthusiast sicher schon mal was gehört und gesehen hat. Wir sehen sie gerade als Jasmin Münchgstettner mit einem großen Mob von einer hohen Leiter aus das Neonschild des zugehörigen Motels abstauben.

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Besser gesagt, diese und so einige andere Szenen flimmern gerade an unserem geistigen Auge vorbei. Oder Brenda. Die ist eine Show. So ein resolutes Weib in dieser Einöde. Im Film heißt sie Brenda, in Wirklichkeit Pounder – CCH Pounder. Die zweite Hauptrolle im Film. Out of Rosenheim heißt das klassische Road Movie oder auch Bagdad Cafe in der englischen Fassung. Und das muss man gesehen haben, nicht nur als Route 66 Freak. 1987 war‘s, als der deutsche Regisseur Percy Adlon – yep Adlon, so wie das gleichnamige Hotel in Berlin, denn aus besagter Hoteliersfamilie entstammt der Mann – dieses vielfach prämierte Werk in Szene setzt.

Weil der Ehemann sich auf dem gemeinsamen Kalifornien-Trip als Vollpfosten gebärdet hat, lässt Jasmin ihn kurzerhand allein mit dem Auto weiterfahren. Sie landet im Bagdad Cafe, das mit dazugehörigen Motel und Tankstelle das Zentrum des Ortes bildet. Geführt wird der Laden von der konsequent griesgrämigen Brenda, die ihren Kerl ebenfalls gerade in die Wüste geschickt hat. Anfangs steht Brenda ihrem neuen Logiergast skeptisch gegenüber, erst recht, als sie in Jasmins Gepäck nur Männerklamotten inklusive einer Krachledernen entdeckt. Sie kann ja nicht ahnen, dass Jasmin versehentlich den Koffer ihres Manns mitgenommen hat. Doch als sich das Misstrauen gelegt hat, gehört die Bayerin schnell zum Inventar des Bagdad Café. Und auch der knorrige Stammgast Rudi Cox (Jack Palance) hat flink ein Auge auf Jasmin geworfen. *

* Aus: Die Nacht der lebenden Texte

Wie‘s weiter geht, schaut Ihr Euch am besten selbst an. Den Film gibt‘s überall als DVD.

Hier ein Trailer dazu.

Und hier ein interessanter Artikel im Guardian zum 30-jährigen von „Bagdad Cafe“.

Ernst-Lubitsch-Preis, Bayerischer Filmpreis, Bundesfilmpreis in Gold (Marianne Sägebrecht) und Silber (Film), zwei französische Filmpreise César – nur ein paar der Auszeichnungen, die Out of Rosenheim 1988 und 1989 abgeräumt hat. Dazu die Oscar Nominierung für den Titelsong Calling You.

Und da sitzen wir also mittendrin in der Kulisse. Umgeben von Memorabilia, Filmplakaten, Nummernschildern, Visitenkarten und anderem Zeugs an den Wänden. Statt Brenda wird Euch wohl die heutige Besitzerin Andree Pruett das Bier bringen. Oder besser, holt es Euch an der Theke ab. Eigentlich heißt das Café ja Sidewinder Cafe. Mrs. Pruett hat es aber schlauerweise ganz schnell, nachdem sie es Mitte der 1990er Jahre erworben hat, in Bagdad Cafe umgetauft. Und damit schlägt sie Kapital aus der Movie Location, denn jetzt heißt es eben genauso wie im Film. Und die gelbe Kaffeekanne, die im Film eine Rolle spielt, hängt über der Theke.

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Sehenswert natürlich das alte Motel Neon. Henning Motel heißt es eigentlich. Aber es ist nicht mehr da. Abgerissen, platt gemacht. Wir hatten Glück und haben die Ruine des Henning, in dessen Room No. 1 Jasmin im Film residiert, noch erleben und fotografieren dürfen. Der olle Air Stream Wohnwagen aus dem Film, in dem Jack Palance sein Zelt aufgeschlagen hatte, steht immer noch auf dem Gelände herum. Hier gibt‘s also ne Menge zu sehen und man kann sich prima hinein versetzen in die Phantasiewelt a la Out of Rosenheim.

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An einen unserer Besuche dort erinnern wir uns sehr gerne, denn irgendwie hatte das was. Warum? Na ja, weil es sicher ungewöhnlich ist, dort VOR Sonnenaufgang aufzutauchen, vollkommen allein zu sein, im Stockdunkel der Nacht, im Klapperschlangen-Gebiet, bei fast völliger Stille, die nur ab und zu vom Motorgeräusch eines vorbeifahrenden Trucks auf der nahen Interstate unterbrochen wird. Aber wir wollen es schließlich so. Denn um diese Zeit hat man das beste Fotolicht.

Unser Tag beginnt in Barstow, ein paar Meilen entfernt. Wir haben standesgemäß im Route 66 Motel übernachtet, der Jetlag hilft beim frühen Aufstehen (wir sind tags zuvor erst in Los Angeles angekommen). Raus aus dem Zimmer, Koffer und Fotoequipment in den Jeep und ab geht’s. Frühstücken können wir ja später noch. Dafür haben wir Peggy Sues 1950’s Diner vorgesehen, der liegt ein Stück weiter in Yermo nahe der Interstate. Übrigens ebenfalls ein Must Stop and See.

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Nach einer guten Viertelstunde Fahrt rollt unser Jeep knirschend im Staub auf dem Platz vor dem Café aus. Es ist wolkenlos, klare Sicht also, Sterne am Himmel. Und eben noch dunkel. Ideal für ein paar Nachtaufnahmen. Also raus mit dem Stativ, Kamera montiert, Taschenlampe braucht man auch. So entstehen die ersten Fotos. Langzeitbelichtungen. Manchmal helfe ich mit der kleinen Taschenlampe nach, wenn Ellen etwas mehr Licht braucht. Es ist noch kühl und recht windig, aber kein Problem für unser Stativ. Es wackelt nicht. Also pirschen wir uns mit dem Fotozeugs bewaffnet näher an das Objekt heran.

Langsam kommt jetzt die Sonne hoch, der Horizont glüht, eine tolle Stimmung ist das jetzt. Am Café bellt ein Hund, sein Besitzer steigt gerade verschlafen aus einem weiteren Wohnwagen, der hinter dem Haus geparkt ist. Er sieht uns zwar, aber es scheint ihn nicht zu stören, dass da zwei Fremde um sein Haus herumlaufen und Fotos machen. Wahrscheinlich sind wir nicht die ersten. Vom Henning ist fast nichts mehr übrig, ein paar Grundmauern kann man erkennen. Irgendwo dahinter ein Stahlgerippe, ein bemalter, rostiger Wasserbehälter, alles irgendwie unwirklich in dieser Umgebung und zu dieser Zeit.

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Zwischendurch machen wir uns noch den Spaß, eine kleine Szene aus Out of Rosenheim in die heutige Zeit zu übertragen und nachzustellen. Leider haben wir keinen Tiroler Hut dabei, auch der Koffer ist etwas moderner.

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Jetzt ist es schon so hell, dass wir unser Stativ einpacken können. Noch ein paar Bilder im warmen Licht des frühen Morgens und dann ist der Job gemacht. Hat doch was, oder?

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Wir müssen trotzdem weiter. Der Rest von Newberry Springs ist auch noch recht fotogen. Die Stände des Pistachio Festivals, der dicke Route 66 Stein gleich gegenüber vom Café, die Briefkästen an der Straße, die ehemalige Tankstelle – auch hier wieder ein Vorher-Nachher-Foto, denn inzwischen hat man sie abgerissen, The Barn, wo man heute noch beim Billard Food und Cocktails bekommt und eine Ass Kick‘n Time hat, Deel‘s Trading Post und der Bahnhof, der aus dem Schild West Newberry besteht.

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