Flagstaff – A True Route 66 Town

Vor uns stehen drei große Gläser gefüllt mit Roadside American Ale. Wie im letzten Kapitel angekündigt, sitzen wir beim Bier und zwar direkt in der Brauerei. Klein, aber fein, könnte man sie nennen, die Mother Road Brewing Company in Flagstaff, Arizona.

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Nick, als ausgezeichneter Bierkenner, hat uns hierher geführt. Und schließlich liegt die Brauerei in Flagstaff direkt an der Route 66, allerdings an der alten Streckenführung vor 1937. Michael und Alissa Marquess eröffnen die kleine Brauerei an der South Mikes Pike, wie die alte Straße heute an dieser Stelle heißt. Sie begeistern sich für die Route 66, für Oldtimer, für die Geschichte der Straße – und für Bier. Was liegt näher, als den Namen der Neugründung bei John Steinbeck zu entlehnen: Mother Road Brewing Company. Im Tap Room ist man mittendrin. Direkt hinter uns die großen Bierbehälter, in denen gebraut wird. Wir sitzen an der Theke, die u.a. mit Bierdeckeln aus aller Welt und vor allem aus Deutschland dekoriert ist. Wer also in Flagstaff übernachtet, sollte der kleinen Brewing Company mal einen Besuch abstatten. Wer weiter fährt, beachtet sicherlich das Don`t Drink and Drive.

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Aber der Reihe nach und zurück nach Winona, wo wir uns jetzt von der 66 Brücke verabschieden und Kurs auf Flagstaff nehmen. Und wieder gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wir bleiben auf der 394 (Townsend-Winona Road), die vor 1947 als Route 66 nach Flagstaff führt, oder wir fahren zurück zur I-40. Version eins verläuft durch‘s Hinterland, es gibt nicht viel zu sehen hier. Außer, dass es grüner wird. Wir befinden uns im Coconino National Forest auf über 2000 Meter Höhe. Das letzte Stück der 394 verläuft durch den für diese Gegend typischen Kiefernwald, der uns noch eine Weile, auch über Flagstaff hinaus, begleiten wird. Die roten Felsen haben wir längst hinter uns gelassen und werden sie auf unserer Fahrt in Richtung Westen auch nicht mehr wieder sehen. Wir treffen auf die US89, die uns in südwestlicher Richtung nach Flagstaff hinein bringt.

Die zweite Version verläuft über die Interstate ab Exit 211 bis Exit 204, wo wir wieder auf die Historic 66 abbiegen können. Hier geht‘s übrigens zum Walnut Canyon – empfehlenswert, wenn man sich für Indianerruinen interessiert. Kurze Zeit später erreichen wir die Außenbezirke von Flagstaff, wo kurz nach Unterquerung der 180 (Country Club Drive) beide Versionen wieder aufeinander treffen. An der Eimündung auf die 89 biegen wir links ab. In Flagstaff finden sich bis heute eine Menge Route 66 Motels, denen man schon auf der Fahrt nach Downtown begegnet: 66 Motel, Wonderland Motel, Western Hills, Traveler‘s Inn oder Relax Inn reihen sich an der Straße entlang auf, in bunter Mischung mit den modernen Motelketten.

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Anhalten sollte man gleich zu Anfang am Museum Club gleich auf der rechten Seite zwischen der Santa Fe Plaza (Shopping Center) und dem Howard Johnson. Eine große Neon-Gitarre weist den Weg auf den Parkplatz. Natürlich eine Gitarre, denn der Museum Club war und ist ein Zentrum für Country Music und hat eine wechselvolle Geschichte.

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Alles beginnt im Jahr 1930, als ein Tierpräparator namens Dean Eldredge auf die Idee kommt, seine Erzeugnisse – und tausend andere obskure Dinge mehr – in einem selbst erbauten Museum auszustellen. Er baut ein beachtliches Blockhaus an der Route 66, nennt es The biggest log cabin in the world, was er dann später auf in the nation und noch später auf in Arizona reduzieren muss. Die Welt erweist sich eben doch als ein bisschen größer und weiter, als der damalige Horizont des Mr. Eldredge. Der aber ist gut im Präparieren von erlegten Hirschen, Mardern, Berglöwen, Schlangen und sonstigem Getier. Einen Trading Post eröffnet er natürlich auch noch. Alles im selben Gebäude, das bald darauf unter The Zoo in Flagstaff bekannt wird. Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1935, wird dort alles verkauft, der neue Besitzer, Doc Williams, erkennt die Möglichkeiten, die die Route 66 ihm eröffnet und macht aus dem Haus einen Nachtklub, der sich sofort als Erfolg erweist. Das Ganze geht bis in die 1940er Jahre, dann wechseln die Besitzer mehrfach, das Anwesen verkommt in den 1950ern immer mehr. 1963 kauft der Musiker Don Scott das Gebäude. Seine Frau Thorna und er machen aus dem Blockhaus eine Country Music Dance Hall, die schon nach kurzer Zeit aufgrund der vielen Kontakte, die Doc zur Country Szene hat, zu einer Institution für Freunde dieser Musikrichtung wird.

Willie Nelson, Waylon Jennings, Wanda Jackson oder die damals in den 1960ern in der Szene berühmten Texas Playboys gehören zu den vielen Stars der Branche, die im Museum Club auftreten. Leider endet die Geschichte von Don und Thorna Scott tragisch. Im Jahr 1973 wird Thorna Opfer eines unglücklichen Unfalls im eigenen Haus, als sie regelrecht die Treppe hinunter fällt und sich dabei das Genick bricht. Don, den dieses Ereignis völlig aus der Bahn wirft, nimmt sich zwei Jahre später das Leben – mit einem Gewehr, vor dem Kamin.

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Drei Jahre ist es still im Museum Club, dann kaufen Martin und Stacie Zanzucchi das Anwesen und schaffen ein Revival. Noch heute kann man sich dort Country Musik in den Shows ansehen und anhören. Asleep at the Wheel sind regelmäßige Gäste oder auch die etwas in die Jahre gekommenen Bellamy Brothers. Darüber hinaus fördert man junge Talente aus der Szene.

Ach ja, wir wären nicht in Amerika, wenn es nicht noch eine Geistergeschichte gäbe. Don und Thorna sind nämlich immer noch im Haus präsent! Vor allem Thorna scheint sehr aktiv zu sein, wird sie doch regelmäßig an verschiedenen Stellen des Hauses gesichtet. Es soll Kunden gegeben haben, die ihr aufgrund ihrer realistischen Erscheinung sogar einen Drink bestellt haben, nur um dann festzustellen, dass die hübsche Dame sich in Luft aufgelöst hatte. Oder die allerbeste Geschichte: „One man, who lived in the upstairs apartment for a time, says he was pinned to the floor by a friendly female ghost. Evidently, Thorna has a sense of humor in her life beyond the living, as she stated to the man, while sitting on his chest, „You only need to fear the living.“ Then the apparition disappeared. Wasting no time, the tenant broke through the upstairs window, ran across the roof and disappeared, never to return.“

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Sie haben auch tolle Pizzas dort – aber achtet drauf, wer sie Euch serviert!

Die 66 führt uns nun geradewegs in die Innenstadt von Flagstaff. Am besten man sucht sich dort einen Parkplatz und erkundet die Umgebung per pedes.

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Sehenswert sind das Weatherford Hotel, das Monte Vista, das Du Beau Hotel, das alte Schild des Downtowner und auch das Sierra Vista. Gleich in der Nähe ist eine lange Reihe mit Murals zu bewundern. Diese Locations, mit Ausnahme des Monte Vista, liegen am alten pre1937 Alignment der 66.

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Ein weiterer Muffler Man erhebt sich an der South Milton Road, wie die 66 in der Innenstadt heißt. Hier stand einst der älteste und größte Vertreter seiner Art, errichtet im Jahr 1962. Die jetzige Figur ist etwas kleiner und gehört zum gleich nebenan liegenden Restaurant namens Granny‘s Closet.

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Achtung: gleich hinter Barnes & Nobles zweigt die 66 nach rechts ab. Auf der linken Seite sollte man am Galaxie Diner anhalten. Er ist ein schönes Fotomotiv. An den Wochenenden ist es da gerammelt voll. Bei unserem ersten Besuch dort, fanden wir es gut (daher stammen die Bilder), beim zweiten war‘s etwas schmuddelig, aber vielleicht täuscht unser Eindruck. Trotzdem, kein Problem, dort auf einen Burger anzuhalten und sich in die 1950er Jahre versetzen zu lassen. Schräg gegenüber liegt das Snow Peak Inn, der Name passt zum Wetter bei unserem letzten Besuch dort.

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Damit haben wir Flagstaff geschafft, die Route 66 heißt jetzt wieder mal BL40 und führt uns in westlicher Richtung aus der Stadt heraus. Am Exit 191 haben wir unsere Interstate wieder, auf der wir sechs Meilen weiter fahren bis zur nächsten kleinen Route 66 Attraktion, die was mit Easy Ridern zu tun hat. Davon mehr im nächsten Kapitel.

 

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