Winslow – Standin‘ On A Corner And First Class Accomodation

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In Winslow, Arizona an einer bestimmten Ecke herum zu stehen, hat inzwischen Tradition. Jeder, der die Stadt besucht, tut das. Nicht nur eingefleischte Route 66 Fans. Werden wir auch tun, aber noch sind wir nicht dort angekommen. Also der Reihe nach. Wir haben Jackrabbit kennen gelernt und die Geschichte der HERE IT IS Schilder. Also wenden wir uns jetzt wieder nach Westen, ein kleines Stück nur bis zum Exit 264, wo wir die Interstate unterqueren und auf der anderen Seite auffahren. Bis zum Exit 257 bleiben wir der I-40 treu. Hier geht‘s dann rechts raus Richtung Highway 87. Die Rampe kreuzt die BL40. dort links abbiegen, über die Interstate hinweg und dann dem Linksknick folgen. Wir sind wieder auf der Historic Route 66, die auch hier ausgeschildert ist. Gleichzeitig ist es die AZ87.

Und auch hier wieder bunte Teepees auf der rechten Seite. Navajo & Hopi Arts & Crafts – ein weiterer Trading Post. Wer überall was mitgenommen hat, wird reichlich Übergepäck zahlen müssen.

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Wir überqueren den Little Colorado. Kurz danach wird die Straße vierspurig. Wer sich orientieren möchte, kann linker Hand auf das Rest Area einbiegen. Dort steht eine große Tafel mit Stadtplan und einer Liste der must see in Winslow und Umgebung. Nicht alles davon ist wirklich interessant, wobei wir ja hauptsächlich die Route 66 und deren Verlauf durch Winslow im Auge haben. Für Freunde alter Indianerkulturen ist es übrigens nicht weit bis zum Homolovi State Park. Dort gibt es ein paar Hopi Ruinen zu sehen. Der Park ist seit 1993 geöffnet und sicher sehenswert. Homolovi ist Hopi-Sprache und bedeutet Ort mit kleinen Hügeln.

Die 66 umschließt den Stadtkern von Winslow als Einbahnstraßen, so dass man auf der einen Seite herunter und auf der anderen Seite wieder hinauf fahren kann. Eine gute Möglichkeit, die kleinen Feinheiten an der Straße zu entdecken.

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Winslow hat einige Route 66 Motels in unterschiedlichem Zustand zu bieten. Einige sind noch in Betrieb, andere bestehen nur noch als langsam verfallende Ruine. Im Desert Sun, das wir gerade auf der rechten Seite erblicken, kann man noch nächtigen, gegenüber im Motel … – der Name im oberen Neon ist dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen – sind diese Zeiten längst vorbei. Ein Stück weiter auf der rechten Seite erwartet uns Earl‘s Motor Court mit einem recht neuen und originellen Neon: Sleeping on the Corner in Winslow, Arizona. Warum nicht? Man muss sich was einfallen lassen. Auch das Delta Motel macht einen ordentlichen Eindruck und empfiehlt sich als Übernachtungsmöglichkeit.

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Da die Geschwindigkeit auf 25 mph beschränkt ist, kann man das alles auf sich wirken lassen. Das Westener Motel, Swap Meet Historic 66, eine ehemalige Whiting Brothers Tankstelle, Moore‘s Pawn, Randie‘s Auto Repair, die Ruine des Budget Motels, mit dem Falcon Restaurant gleich dahinter, Hillside Taco Stand, Joe‘s Cafe, etc. etc. – eine bunte Reihe von mehr oder weniger erhaltenen Route 66 Remains. Natürlich gibt es auch moderne Motels, wie das Winslow Inn oder das 10 Motel gleich daneben.

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Nach ein paar Minuten haben wir das Y erreicht – das ist die Stelle, wo die Einbahnstraßen wieder zusammen treffen – dort kann man umdrehen und auf der anderen Seite zurück fahren. Noch fehlen uns ja die beiden Hauptattraktionen in Winslow.

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Vorher ein bisschen Geschichte; wir drehen an der Zeituhr bis wir im Jahr 1880 landen. Wieder ist die Eisenbahn für die Entstehung einer Stadt verantwortlich. Die Santa Fe Railroad erreicht diese Gegend, zwei Jahre später stehen die ersten Gebäude inklusive Post Office – dem wichtigsten Bestandteil einer damaligen Siedlung. Benannt wird die Stadt nach General Edward F. Winslow, dem Chef der Santa Fe Railroad Company. In den späten 1880er Jahren beginnt John Lorenzo Hubbell damit, überall in Arizona und New Mexico Handelsposten zu eröffnen. Noch heute ist der Hubbell Trading Post in Ganado – knappe hundert Meilen nordwestlich von hier – ein Historic Site, das von vielen Südwest-Reisenden besucht wird. Besagter Hubbell baut sein Imperium immer weiter aus, Farmen in Gallup oder Farmington, New Mexico gehören genauso dazu, wie Souvenirshops in Kalifornien. Noch heute existiert sein Stammhaus in Winslow. Es beherbergt inzwischen das Winslow Visitor Center (W2nd St.).

Im Jahr 1930 entsteht ein weiteres Landmark in Winslow: Das letzte in der Reihe der Harvey House Hotels: La Posada. Die Geschichte der Harvey Houses, der Harvey Girls und der zugehörigen Travel Company ist lang – darüber kann man Bücher schreiben. Also lassen wir das hier mal sein. Aber das La Posada ist unbedingt einen Besuch wert – oder eine Übernachtung – das lohnt sich wirklich! Zurück in die Geschichte: Das Hotel übersteht die schwere Zeit der Great Depression anfangs der 1930er Jahre. Die Eisenbahnreisenden und die Route 66 Travellers halten es über Wasser. Weitere Betriebe entstehen, die sich in den folgenden Jahren u.a. auch um die aus ihrer Heimat geflohenen Okies kümmern. Die in früheren Kapiteln schon erwähnte Dust Bowl Katastrophe treibt die Menschen nach Westen – ebenfalls eine eigene Geschichte. Zur Erinnerung: John Steinbecks Früchte des Zorns.

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Bis ins Jahr 1957 überlebt das La Posada. Dann wird es geschlossen, denn zu diesem Zeitpunkt gibt es kaum noch Eisenbahnverkehr durch die Stadt. Das Mobiliar wird versteigert, im Gebäude entstehen Büros der Eisenbahngesellschaft, die immer noch vor Ort ist. In den 1970ern wird die Stadt von der Interstate umfahren – erleidet also das gleiche Schicksal, wie so viele andere Orte an der 66.

In diese Zeit übrigens fällt die Entstehung des Eagles Hits Take it easy, der bis heute so imposante Spuren in Winslow hinterlassen hat. Davon gleich mehr.

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Als die Eisenbahn Winslow endgültig verlässt, soll La Posada der Abrissbirne zum Opfer fallen. Dass das nicht geschieht, verdanken wir der Entschlossenheit der Bürger dieser Stadt und einem Mann namens Allan Affeldt. In einer gemeinsamen Anstrengung wird der gesamte historische Stadtkern restauriert. Um das Hotel kümmern sich die neuen Besitzer Allan Affeldt, der zwischendurch auch mal Bügermeister von Winslow war, und seine Frau, die Malerin Tina Mion. Sie haben ein echtes Schmuckstück daraus gemacht! Schon äußerlich wegen seiner Architektur und seiner Gärten ein wunderschöner Anblick, besticht La Posada durch seine Einrichtung im Innern. Das ganz im mexikanischen Stil gehaltene Gebäude vermittelt den Eindruck einer Kunstausstellung, ja eines Museums. Schuld daran ist Tina Mion, deren beeindruckende Werke im gesamten Hotel zu bewundern sind. Etwas makaber das monumentale Gemälde A New Years Party in Purgatory for Suicides … in which Liberace makes a guest appearance down from heaven just for the hell of it. Die Gästeliste dieser Party besteht aus lauter Selbstmördern, mit Ausnahme des im Titel erwähnten Liberace. Mehr über Tina Mion hier: Klick  

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Die weitere Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Auch die Zimmer sind einfach nur wunderschön. Aber am besten, man schaut sich das alles selbst an. Man muss nicht dort übernachten – obwohl man es unbedingt tun sollte – man kann auch einfach nur rein gehen und sich alles ansehen. Selbst eine Partie Schach ist möglich, Nick und ich haben es ausprobiert. Die Preise halten sich übrigens durchaus im Rahmen. Zwischen 139 und 169 Dollar zahlt man pro Nacht. Vorherige Reservierung dringend empfohlen. Die Zimmer sind übrigens allesamt nach amerikanischen Berühmtheiten benannt. Von James Cagney über Shirley Temple und Frank Sinatra bis zu Harry Truman und Clark Gable sind alle vertreten. Schaut mal hier: La Posada. Ein Abendessen im Turquoise Room des Hotels ist ebenfalls ein Erlebnis.

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Womit wir das erste Highlight in Winslow geschafft haben. Fehlt noch das zweite. Wir können es vom La Posada bequem zu Fuß erreichen: Die Corner.

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Standing on a corner in Winslow, Arizona – wohl die bekannteste Textzeile aus dem Song der Eagles. Take it easy, geschrieben im Jahre 1972 von Jackson Browne, dessen Bronzestatue heute die Corner in Winslow schmückt und Glenn Frey, dem Gründungsmitglied der Eagles. Glenn Frey starb am 18. Januar 2016 – er wurde 67 Jahre alt. Take it easy wurde zu einer Route 66 Hymne. Vergleichbar nur mit dem berühmten Get your kicks on Route 66. Doch es stammt aus einer anderen, viel späteren Zeit. Wenn man Route 66 Roadies fragt, welche Lieder sie mit der 66 verbinden, werden sie wohl alle genau diese beiden Songs als erste nennen. Get you kicks und Take it easy. Und damit Jackson Browne nicht so ganz allein an der Ecke stehen muss, hat man ihm im September 2016 Glenn Frey zur Seite gestellt.

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Ja, alle haben sie schon dort gestanden, an der berühmten Straßenecke in der kleinen Stadt Winslow, die ohne diesen Song wohl kaum ihren heutigen Bekanntheitsgrad erreicht hätte. Die Stadtväter haben aber auch etwas dafür getan, indem sie der Corner aus dem Lied eine reale Gestalt gaben. Die Idee mit dem Standing on the Corner Park war Gold wert. Mehr als 100.000 sollen es sein, die jedes Jahr an dieser Ecke in Winslow anhalten und „on the corner“ stehen. Es muss Millionen von Bildern, Selfies, Videos geben, produziert für die Freunde daheim, zur Erinnerung an einen USA-Urlaub oder einfach nur so. Weißt Du noch, als wir an der Corner standen? Und so mancher hatte Take it easy im Auto dabei. Glenn Frey, Jackson Browne und die Eagles haben einen Riesenhit gelandet, der heute noch in aller Munde und in aller Ohren ist.

Hier noch einmal: Take it Easy

Seit 1999 steht sie also da, die Statue von Jackson Browne, von hunderttausend Touristenhänden schon ein wenig abgeschliffen – an der Schulter – aber auch das Mädchen im Ford fehlt nicht (It’s a girl, my Lord, in a flatbed Fords
lowin‘ down to take a look at me) – als Mural im Hintergrund. Und davor steht der rote Pick-up zum Anfassen. Und eben Glenn Frey.

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Natürlich waren auch wir dort, auch wir haben Corner-Fotos – sie gehören einfach dazu. Ein Road Trip auf der Route 66 ohne Standin‘ on the Corner? Das geht gar nicht. Zuletzt mit unserem amerikanischen Freund Nick Gerlich, anlässlich unserer Route 66 Exkursion. Hier Fotos von unserem nächtlichen Besuch bei Jackson Browne. Nachts an der Corner – DIE Gelegenheit dort alleine herum zu stehen.

Ellen hat das Ganze in „Jumping on the Corner“ abgewandelt. Geht natürlich auch …

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Die Corner ist leicht zu finden. Ecke Kinsley und 2nd Street.

Halt, eh wir‘s vergessen. Gleich neben der Corner kann man World`s Smallest Church bewundern. Ein kleines Mural über dem Eingang, dann gleich links. Ihr werdet freundlich empfangen. Ein Barber Shop gehört auch noch dazu. Und ein kleiner Spaziergang durch Downtown sollte auch nicht fehlen.

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Wir wünschen viel Spaß in Winslow.

 

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